ILKA KARCHER
Praxis für Evolutionspädagogik und Ernährungsbalance

Ketogene Ernährung


Ernährung im Einklang mit der menschlichen Biologie.

Um Antworten auf die Frage zu finden, wie eine artgerechte Ernährung des Menschen aussehen könnte,  brauchen wir gleichermaßen eine Lupe und ein Fernglas. Wir müssen uns auf die Ebene der Zellen begeben und einen Blick in die Entwicklungsgeschichte der Menschen werfen. Wir müssen erkennen, was unsere Zellen benötigen, um die unendlich vielen Stoffwechselprozesse, die die Grundlage des Lebens sind, so optimal wie möglich durchführen zu können. Und wir müssen darüber nachdenken, wie ungefähr die Lebensbedingungen unserer Vorfahren für die meiste Zeit der Menschheitsentwicklung ausgesehen haben. 

Wenn wir uns diese Mühe machen, dann gelangen wir zu der Erkenntnis, dass das, was wir im Allgemeinen für eine normale Ernährung halten, weit von diesen beiden Parametern abweicht. Könnte hierin ein Grund für die ständige Zunahme chronischer Krankheiten liegen, die wir zu verzeichnen haben? Ich denke ja.

Kohlenhydratzufuhr und -Bedarf sind vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten

Wo wir auch hinsehen, das tägliche Leben ist von Kohlenhydraten dominiert. Kaum eine Mahlzeit kommt ohne aus. Süß spendet Komfort und ist Belohnung. Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Limonade, Chips, Kuchen und auch Obst überschwemmen unsere Körper täglich mit ungeheuren Mengen an Glukose, die unsere biologische Stoffwechselkapazität vollkommen übersteigen. 

Kohlenhydrate sind die eine Makronährstoffgruppe, die wir nicht mit der Nahrung zu uns nehmen müssen. Die Menge an Glukose, die wir tatsächlich brauchen, kann unser Körper selber herstellen. Fette und Proteine dagegen müssen wir essen. Über die mehreren Millionen Jahre der menschlichen Evolution haben unseren Vorfahren keine nennenswerten Kohlenhydratmengen zur Verfügung gestanden. Je nach Breitengrad gab es zur Reifezeit kleine, bittere Früchte, faserreiche Knollen und einige essbare Blätter. Der Jagderfolg bestimmte, ob und was es zu Essen gab. Die menschliche Evolution ist von Fett, Fleisch und Fasten geprägt.

Ernstzunehmende Mengen an Stärke sind erst im Zuge der Sesshaftigkeit und beginnenden Landwirtschaft auf dem Speiseplan erschienen - die Industrialisierung der Lebensmittelproduktion hat dann die natürlichen Grundlagen der Ernährung vollkommen ins Abseits geschoben.

Zucker, Mehl und Pflanzenöle stammen aus der Raffinerie. Sie kommen, ebenso wie Zusatzstoffe, in der Natur so nicht vor. Unsere Zellen sind mit großen Zuckermengen völlig überlastet. Sie können geringe Mengen zur Energiegewinnung nutzen. Alles, was diese Kapazität überschreitet, muss zu Fett umgewandelt und im Fettgewebe abgespeichert werden. Denn zu viele freie Zuckermoleküle im Blut beschädigen die Blutgefäße und andere Strukturen im Körper. Um nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit den Blutzuckerspiegel wieder herunter zu regulieren, schüttet die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus. Das Insulin hat viele zentrale Steuerungsaufgaben im Körper. Eine davon ist, dass es den Zellen den Auftrag erteilt, Glukose aus dem Blut aufzunehmen und zur Energiegewinnung in ATP umzuwandeln. Nun können aber unsere Zellen nur begrenzte Mengen an Glukose gebrauchen. Wenn sie genug haben, dann beginnen sie sich sozusagen die Ohren (das sind bei den Zellen die Insulinrezeptoren, die das Insulinsignal an die Zentrale weiterleiten, die daraufhin Glukose durch die Zellmembran einschleust) zuzuhalten und wollen das Insulinsignal nicht länger hören. Es entwickelt sich eine sogenannte Insulinresistenz, in deren Folge die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin produziert um sich irgendwie Gehör zu verschaffen. Lange bevor der Blutzuckerspiegel unangenehm auffällt, steigt der Insulinspiegel beständig an und entwickelt vielfache negative Wirkungen im ganzen Organismus. Ein hoher Insulinspiegel stoppt z.B. die Verwertung von Fett zur Energiegewinnung. Mögliche Folgen einer anhaltenden Insulinresistenz sind Hormon-Ungleichgewichte wie PCOS, Übergewicht, Bluthochdruck, Typ-II-Diabetes, Arthrose, Krebserkrankungen, Demenz und psychiatrische Störungen.

Viele dieser Probleme könnte man vermeiden und manche - auch wenn sie sich schon manifestiert haben - wieder umkehren, wenn man seine Lebensweise den biologischen Bedürfnissen anpasst. Eine solche Möglichkeit bietet die ketogene Ernährung. Hierbei senkt man die Kohlenhydratzufuhr deutlich ab und bezieht seine Energie vornehmlich aus Fett. Diese Abkehr von der heute üblichen Praxis, ermöglicht es dem Körper seinen Stoffwechsel auf die Verwertung von Fett zur Energiegewinnung umzuschalten. Erst wenn der Insulinspiegel gleichbleibend niedrig bleibt, sind die Fettzellen in der Lage den Speichermodus zu beenden und Fett freizusetzen. Die Leber kann dann aus den Fetten Ketonkörper herstellen, die vom Gehirn und anderen Geweben zu ATP umgewandelt werden können. Neben der reinen Energieversorgung, dienen diese Ketonkörper auch als wichtige Signalgeber. Sie fördern die Produktion eines Wachstumsfaktors für die Gehirnzellen, harmonisieren die Neurotransmitterbalance, unterstützen das Immunsystem und vieles mehr. Alles in Allem sehr angenehme Zeitgenossen, die aber nur dann im Organismus zu haben sind, wenn der Blutzuckerspiegel gleichbleibend niedrig ist. Wenn sich im Blut ein Ketonkörperspiegel zwischen 0,5 und 5 mmol/l einstellt, spricht man vom Zustand der metabolischen Ketose.

Ketose in der Therapie 

Eine Insulinresistent kann sowohl systemisch (den gesamten Organismus betreffend) als auch lokal (also auf einzelne Organe beschränkt) in Erscheinung treten. Besonders psychiatrische und neurologische Erkrankungen gehen häufig mit einer Glukose-Verwertungsstörung der Nervenzellen einher. Das führt dazu, dass das Gehirn seinen großen Energiebedarf trotz hoher Glukosezufuhr nicht decken kann. Es kommt zu Schäden an den Nervenzellen mit einer Vielzahl von Symptomen. Ketone könnten das Energiedefizit ausgleichen - aber eben nur, wenn sie zur Verfügung stehen.

Es wird derzeit intensiv an den Einsatzmöglichkeiten einer therapeutischen Ketose geforscht. Im Bereich der metabolischen Psychiatrie lassen sich Erfolge bei der Behandlung von Depressionen, Angststörungen und bipolaren Störungen erkennen. Es gibt erste Fallstudien von Patienten mit Essstörungen, die eine nachhaltige Remission erfahren haben. 

Die metabolische Neurologie verzeichnet Erfolge bei der Behandlung von Alzheimer, Parkinson und MS, sowie bei Autismus und ADHS. Bei Epilepsien wird die ketogene Ernährung schon seit 100 Jahren angewendet.

In der Krebstherapie kann die therapeutische Ketose zum Schutz der gesunden Gewebe beitragen, das Wohlbefinden steigern und das Krebswachstum eindämmen. Da Krebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen einen veränderten Stoffwechsel haben, können sie nur noch Glukose zur Energiegewinnung nutzen und nicht auf Ketonkörper oder Fettsäuren zugreifen.

Im Fall eines Typ-II-Diabetes kann man mit Hilfe einer ketogenen Lebensweise eine Remission erreichen und damit die Folgeschäden, wie Neuropathien, Makuladegeneration, Nierenleiden usw. vermeiden.